Projekte

Politische Meinungsbildung in Zeiten sozialer Medien (DFG-gefördert)

mit L. Kobilke

Wie vielfältig sind die Meinungen mit denen wir täglich in Kontakt kommen? Herrscht um uns herum weitgehende Homogenität oder stoßen wir regelmäßig auch auf alternative Ansichten? Und wie wirkt sich bestehende bzw. fehlende Meinungsvielfalt auf unsere Vorstellung von öffentlicher Meinung, unsere politischen Einstellungen und unser partizipatives Handeln aus? Diesen Fragen gehen wir in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt nach. Besondere Berücksichtigung finden dabei die dynamischen Aspekte der politischen Einstellungsbildung, die im Rahmen einer vierwelligen repräsentativen Panelbefragung der deutschen Bevölkerung nachgezeichnet werden.

Effekte von Online-Astroturfing auf politische Einstellungen und Realitätsvorstellungen

mit F. Töpfl, FU Berlin

Unter „Astroturfing“ versteht man eine Kommunikationsstrategie mit dem Ziel, den Bürgern zu suggerieren, für eine bestimmte Meinung existiere breite Unterstützung. Auf diese Weise sollen individuelle Einstellungen und Vorstellungen vom gesellschaftlichen Meinungsklima beeinflusst werden. Besonders im politischen Kontext hat sich Astroturfing in den letzten Jahren zu einem globalen Phänomen entwickelt, wobei sich insbesondere Russland als aktiver Astroturfing-Akteur erweisen hat. Dabei wurden u.a. Personen mit gefälschten Profilen damit beauftragt, in sozialen Medien Themen mit Russlandbezug zu kommentieren und Gegenpositionen zu russlandkritischen Äußerungen einzunehmen (z.B. im Rahmen der Krim Krise). Im Projekt gehen wir zwei zentralen Fragen nach: (1) Wie wirken sich russlandfreundliche Astroturfing-Kommentare in Sozialen Netzwerken auf die Einstellungen und Vorstellungen der Nutzer aus? (2) Welche Maßnahmen lassen sich ergreifen, um diese Effekte zu verhindern?

Einfache Bürger als Nachrichtenakteure

mit C. Peter, LMU München

Nachrichten werden in der Regel durch politische Akteure dominiert, da ihnen ein besonderer gesellschaftlicher Stellenwert zukommt und sie hohen Nachrichtenwert besitzen. In demokratischen Systemen beschränkt sich die Aufgabe von Medien allerdings nicht auf die Berichterstattung über politische Eliten, sondern besteht auch darin, unterschiedliche gesellschaftlichen Gruppen zu Wort kommen zu lassen. Gerade die Rolle einfacher Bürger in der Berichterstattung ist noch weitgehend unerforscht, was aus zwei Gründen verwundert: Erstens kommt ihnen als demokratischer Souverän sicherlich erhöhte Bedeutung zu. Zweitens hat die Forschung gezeigt, dass sich die Darstellung von Bürgern und ihrer Meinungen in der Berichterstattung auf die Realitätsvorstellungen, Einstellungen und Verhalten der Rezipienten auswirken kann. Das Projekt geht der Frage nach, wie häufig und in welcher Form Fern-sehnachrichten über einfache Bürger und deren Meinungen berichten und wie sich die Berichterstattung über die Zeit (2009 - 2015) entwickelt hat. Veränderungen in der Berichterstattung werden u.a. vermutet, weil heute online (auch extreme) Einzelmeinungen von Bürgern zu Tage treten und so auch für Journalisten leichter sichtbar werden.

Online «Suicide Games»: Verbreitung und Gefährdungspotential digitaler Mutproben am Beispiel der Momo-Challenge

mit L. Kobilke & A. Markiewitz, LMU München

800.000 Menschen sterben jährlich weltweit durch Suizid; unter den 15 bis 29jährigen ist er die zweithäufigste Todesursache. In dieser vulnerablen Lebensphase können Mediendarstellungen Einfluss darauf nehmen, wie Jugendliche Suizidalität bewältigen. So können Medienberichte einerseits Imitationssuizide auslösen (Werther-Effekt), aber andererseits auch die Suizidprävention unterstützen (Papageno-Effekt). Online «Suicide Games» sind digitale Mutproben, die die Vulnerabilität der Heranwachsenden ausnutzen, um sie zu selbstverletzenden Handlungen zu bewegen. Bei der aktuell mit medialer Aufmerksamkeit verfolgten Momo-Challenge (MC) handelt es sich um eine solche digitale Mutprobe. Jugendliche fordern sich dabei gegenseitig dazu auf, Soziale-Medien-Accounts zu kontaktieren, die ihnen angeblich selbstverletzende Aufgaben stellen sollen – bis hin zum Suizid. Die MC wird seit November 2018 vor allem auf YouTube verbreitet und zahlreiche Journalisten sowie prominente Persönlichkeiten haben sich bereits dafür eingesetzt, dass entsprechende Videos gelöscht werden. Dieses Forschungsprojekt untersucht (1) welche Reichweiten die MC über YouTube erzielt, (2) wie groß das Gefährdungspotenzial dieses Materials insgesamt und einzelner Communities im Speziellen ist und (3) welche Medieneffekte dieses Material zur Folge hat.