Projekte

Covid Norms

Covid Norms: Monitoring und Analyse von Präventionsverhalten

Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Covid-19» (NFP 78) haben Thomas Friemel, Sarah Geber, Mark Eisenegger und Daniel Vogler den Zuschlag für ihr Projekt «Covid-Norms» erhalten. Das Projekt wird in Kooperation zwischen dem IKMZ und dem fög realisiert. Über die Dauer von zwei Jahren (September 2020 – August 2022) untersucht es soziale Normen zu verschiedenen Covid-19-Schutzverhalten, insbesondere die Nutzung der SwissCovid-App und das Tragen einer Gesichtsmaske. Das Ziel des Projekts ist es, zu verstehen, welche Rolle verschiedene Kommunikationsformen bei der Entwicklung von sozialen Normen zu Schutzverhalten spielen. Hierfür werden Befragungsdaten der Schweizer Bevölkerung mit Inhaltsanalysedaten des öffentlichen Diskurses in den Massenmedien und den sozialen Medien kombiniert. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit wird sichergestellt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse unmittelbar in Kommunikationsstrategien und Präventionsmassnahmen einfliessen.

Für die Bekämpfung einer Ansteckungskrankheit wie Covid-19 ist es entscheidend, dass die Schutzmassnahmen von einem Grossteil der Bevölkerung eingehalten werden. Während beim Tragen von Gesichtsmasken behördliche Vorgaben akzeptiert werden, ist ein staatlicher Zwang zur Nutzung der SwissCovid-App oder eine Impfpflicht jedoch kaum vorstellbar. Um wirtschaftlich und gesellschaftlich einschneidende und umstrittene Massnahmen wie einen Lockdown zu vermeiden, muss sich ein gewisser Teil der Bevölkerung also freiwillig an die empfohlenen Schutzmassnahmen halten. Das Ziel des Projekts ist es deshalb, die Entwicklung von sozialen Normen zu verschiedenen Schutzmassnahmen systematisch zu erfassen und die Rolle von unterschiedlichen Kommunikationsformen zu verstehen. Hierfür befragen wir die Schweizer Bevölkerung und analysieren die Thematisierung der Schutzmassnahmen in den Massenmedien, wie Fernsehen und Online-Zeitungen, und in sozialen Medien, wie Twitter. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit wird sichergestellt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse unmittelbar in Kommunikationsstrategien und Präventionsmassnahmen einfliessen.

Informations- und Kommunikationsverhalten in der Corona-Krise

Die Corona-Krise stellt eine Ausnahmesituation dar, in der etablierte Routinen und Muster des Informations- und Kommunikationsverhaltens unterbrochen oder in Frage gestellt werden. Dies trifft insbesondere auf die erste Phase des sogenannten Lockdowns zu. Unsere Studie zu «Informations- und Kommunikationsverhalten in der Corona-Krise» (PDF, 570 KB) während der ersten Woche des Lockdowns in der Schweiz (März 2020) zeigt, dass die Schweiz über eine gut funktionierende kommunikative Infrastruktur verfügt, um die breite Bevölkerung in einer Krisensituation zu erreichen und über die wichtigsten Massnahmen zu informieren. Zudem wird ersichtlich, dass die zuständigen Institutionen des Bundes und die öffentlichen Medienangebote ein grosses Vertrauen in der Bevölkerung geniessen.
 

Abbildung 1. Vertrauen in verschiedene Akteure

Abbildung Vertrauen in verschiedene Akteure

Anmerkungen: Basis n16-29 = 185; n30-59 = 533; n60-88 = 287; Skala: 1 = «überhaupt kein Vertrauen», 5 = «sehr grosses Vertrauen». Dargestellt sind Mittelwert und das Konfidenzintervall (95%).

 

Weitere Publikationen zum Thema sind zurzeit in Vorbereitung bzw. im Begutachtungsverfahren.

Mediennutzung im sozialen Kontext

Die Digitalisierung hat nicht nur zu einer Vervielfältigung der Medieninhalte geführt, sondern bietet auch neue Möglichkeiten, sich mit anderen über Medieninhalte auszutauschen. Das Weiterleiten von Links zu YouTube-Filmen, das Posten von Tweets zu Fernsehserien oder das Kommentieren von Zeitungsartikeln sind alles Beispiele dafür, wie der Austausch über Medieninhalte zu einem festen Bestandteil der Medien und unseres Alltags geworden sind. Wir untersuchen die damit zusammenhängenden sozialen Dynamiken (on- und offline), um zu verstehen, wie sich die Digitalisierung auf die Mediennutzung, die sozialen Strukturen und die Medien auswirkt.

Wir interessieren uns dabei insbesondere für Jugendliche, da sie technischen Innovationen gegenüber häufig offener sind und unsere Forschung zeigt, dass ihre Nutzung eng mit ihrem sozialen Umfeld verbunden ist. Wir arbeiten dafür mit verschiedenen Schulen in der Schweiz und in Deutschland zusammen und haben uns auf die Erhebung und Analyse von Netzwerkdaten im Paneldesign spezialisiert.

Um mögliche negative Konsequenzen von Online-Medien zu identifizieren und abzuwenden, unterstützen wir die OECD bei der Entwicklung entsprechender Empfehlungen. OECD-Workshop

Soziale Dynamiken des Gesundheitsverhaltens unter Jugendlichen

Was Jugendliche heute beschäftigt, wird stärker durch medienvermittelte Kommunikation geprägt als je zuvor. Dies ist auch in Bezug auf Gesundheitsverhalten wie Tabak- oder Alkoholkonsum der Fall. Wir untersuchen deshalb die sozialen Dynamiken unter Jugendlichen (on- und offline), um den Einfluss von Social Media auf das Gesundheitsverhalten zu untersuchen. Das Forschungsprojekt wird durch den Tabakpräventionsfonds finanziell unterstützt. Es soll dazu beitragen, zukünftige Präventionsbemühungen und gesundheitsfördernde Massnahmen zu verbessern.

Kooperationspartner: Tabakpräventionsfonds (c/o Bundesamt für Gesundheit)
Beteiligte Personen: Thomas Friemel, Tobias Frey

Der Einfluss von Information und Kommunikation auf die Sicherheit im öffentlichen Personenverkehr

In Deutschland werden im öffentlichen Personenverkehr jährlich rund 10 Milliarden Fahrgäste transportiert. Die Reisenden erwarten sowohl in den Fahrzeugen als auch an Haltestellen und in den Bahnhöfen ein hohes Niveau an Sicherheit. Die von den Fahrgästen empfundene (subjektive) Sicherheit ist aber nur bedingt von der objektiven Sicherheit abhängig, die im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln und Lebenssituationen nach wie vor hoch ist.

Aufgrund der Diskrepanz zwischen tatsächlicher und wahrgenommener Sicherheit untersuchen wir im Rahmen des vom Deutschen Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojekts «Wirtschaftlichkeit von Sicherheitsmassnahmen im öffentlichen Personenverkehr» (WiSima) den Einfluss von Information und Kommunikation auf die subjektive Sicherheit. Wir berücksichtigen dabei das Informations- und Kommunikationsangebot der ÖPV-Betreiber, die Medienberichterstattung über den ÖPV, sowie das Kommunikationsverhalten während der Fahrt.

Basierend auf einer umfangreichen Inhaltsanalyse, einer repräsentativen Befragung, einer Panelstudie mit Mobile Experience Sampling, Experimenten zur Wirkung von Kampagnenbotschaften und Experteninterviews entwickeln wir Empfehlungen für kommunikative Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im ÖPV. Aus unserem Befund, dass die Fahrgäste sich sicherer fühlen, wenn sie sich während der Fahrt per Handy mit ihrem sozialen Umfeld austauschen können, lässt sich z. B. die Empfehlung ableiten, dass die Mobilfunkabdeckung einen wesentlichen Beitrag zur subjektiv wahrgenommenen Sicherheit der Fahrgäste leisten kann.

Kooperationspartner: Universität Bremen, Freie Universität Berlin, Technische Hochschule Wildau, Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, Deutsche Bahn AG
Beteiligte Personen: Thomas Friemel, Dennis Reichow
Projektwebsite: www.wisima-projekt.de