World Internet Project – Switzerland 2019: Vermutete Internetüberwachung führt zu Selbstzensur

Mehr als die Hälfte der Internetnutzerinnen und -nutzer in der Schweiz lässt sich von freier Informationssuche oder Meinungsäusserung im Netz abschrecken, weil sie eine Überwachung vermutet. Dies zeigt eine repräsentative Befragung zur Internetnutzung in der Schweiz.

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Zum fünften Mal seit 2011 hat die Abteilung Medienwandel & Innovation des Instituts für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IKMZ) der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Michael Latzer eine repräsentative Befragung im Rahmen des World Internet Project – Switzerland (WIP-CH 2019) durchgeführt. Das World Internet Project (WIP) ist eine vergleichende Langzeitstudie und erfasst in mehr als 25 Ländern die Verbreitung und Nutzung des Internet im internationalen Vergleich und analysiert soziale, politische und ökonomische Implikationen der Netzentwicklung.

Wer mit Suchmaschinen recherchiert oder auf Facebook und WhatsApp seine Meinungen äussert, hinterlässt zahlreiche digitale Spuren. Internetnutzerinnen und -nutzer haben das Gefühl, dass diese Spuren zu Überwachungszwecken genutzt werden. Gemäss der Studie sind 43 Prozent der 1’122 befragten Personen der Ansicht, die Online-Überwachung schade der Gesellschaft. Zudem zeigt sich ein grosser Anteil der Schweizer Internetnutzer (45 Prozent) besorgt, dass Unternehmen wie Facebook ihre Privatsphäre online verletzen. Eine Folge davon ist, dass sich Internetnutzer online einschränken: Mehr als die Hälfte gibt an, dass die mögliche Überwachung sie von freier Informationssuche (59 Prozent) – etwa dem Recherchieren von sensiblen politischen Inhalten – oder vom Äussern von Meinungen, Interessen oder Gefühlen (56 Prozent) abschreckt.

Die Befragung zeigt, dass 2019 noch einmal mehr Schweizerinnen und Schweizer online sind als 2017. 92 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzen heute das Internet, bei den unter 50-Jährigen sind es fast 100 Prozent. 80 Prozent der Gesamtbevölkerung sind auch unterwegs online. Die durchschnittliche Nutzungszeit verdoppelte sich seit 2011 und beträgt heute 25 Stunden pro Woche. 40 Prozent der Offliner profitieren jedoch indirekt vom Internet, indem sie andere für sich recherchieren oder Aufgaben erledigen lassen. Die Anzahl der Nichtnutzer wurde in den letzten acht Jahren mehr als halbiert. Die Zahl der absoluten Nichtnutzer (ohne Proxynutzer) liegt damit in der Schweiz bei ca. 340’000 Personen. Im Durchschnitt ist die Selbsteinschätzung der Internetnutzer in der Schweiz zu ihren Fähigkeiten im Umgang mit dem Internet seit 2011 relativ stabil. Frauen beurteilen ihre Internetnutzungsfähigkeiten als schlechter im Vergleich zu Männern.

Für detaillierte Informationen verweisen wir auf die vier Themenberichte des World Internet Project – Switzerland 2019 sowie auf die Pressemitteilung.